Lieder

Selbst in den USA hat Hermann Claudius seine Spuren hinterlassen. Nach diesem Dokument allerdings unerkannt. Die drei Sängerinnen verpflanzen sein Lied in das 19. Jahrhundert, vermutlich auch deshalb, weil sie den Komponisten Karl Marx mit seinem Namensvetter verwechseln und ihn dazu noch zum Dichter des Liedes machen. Immerhin singen sie das Claudius-Lied mit viel Freude. Video ansehen

Traditionell singen Sozialdemokraten am Ende eines Parteitages das Claudius-Lied „Wann wir schreiten Seit’ an Seit’“. Allerdings scheint es ein gewisses Unverständnis für den Sinn des Textes zu geben. Die freundliche Textunterlegung in dieser Version zeugt davon. Offenbar hat der Parteitag erfolgreich das Übel des „Waldschweigens“ bekämpft, denn nun, am Ende der Tagung, heißt es, dass „die Wälder wieder klingen“, anstatt dass sie „widerklingen“.
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Der alte Schwung ist mit diesem Lied wieder da! SPD-Parteitag in Dresden im November 2009. Video ansehen

Der Südkurier Konstanz bezeichnet Hermann Claudius in einem Bericht über seinen Tod als „Liedermacher aus alten Tagen“ (10.09.1980). Der junge Mann, der hier zur Gitarre greift, bekräftigt eindrucksvoll die Herkunft des Dichter aus der Jugend- und Wanderbewegung. Video ansehen

Die Folk-Band „Plattdüütsch Leed“ brachte 1982 eine LP mit Liedern heraus, die Texte aus Claudius’ erstem Gedichtband „Mank Muern“ vertonen.

Leev

Un jeden Morgen seeg se em

un drööm den ganzen Dag vun em

un ok de ganze Nacht.

He güng vörbi un markt dat nich,

höll heel graadut sien Buurngesich’

as harr de Welt he pacht.

Un as he’t mark, dunn lach he blot:

Du lütte Bloom an mienen Hoot,

haha, ik plück di sacht!

Se aver krall sik an sien Hatt.

„Nu laat mi los, verdreihte Katt!

Sünst bruuk ik miene Macht!“

Nu kickt se kenen Morgen mehr.

Ein aver is’t as seeg he ehr

bi Dag un ok bi Nacht.

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Regenwedder

„Junge, Junge! Laat de Katt!“

Mudder, buten regent dat. –

„Speel mit dien Suldaten!“

Un he lött jem opmarscheern.

„Junge! Laat dat Kummandeern!“

Wat schall’k denn blots maken? –

„Kiek doch mal in’t Billerbook.“

Un he kickt un fröggt nu klook:

Mudder ‑ wat is dat? ‑ –

Ja, wenn’t buten regen deit

un de Mudder sitt un neiht . . .

„Speel man mit de Katt!“

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Keen Arbeit

Bi’n Goosmarkt in de Middagstiet

dar steiht en Minschenhuup tohoop,

un jümmer swatter, Kopp an Kopp.

De Snee fallt lies un witt.

Dat steiht un steiht un luurt un luurt

op Arbeit, Arbeit Dag üm Dag.

Un männicheen, den knurrt de Maag.

Wolang, wolang dat duurt!

Un üm se rüm dar slickt de Noot

mit schugen Schritt un hollen Oog

un tellt un hett noch nich genoog

un söcht noch op de Straat.

En langen Kerl de swenkt sien Mütz.

De Büx de weiht ein üm de Been.

He will de griese Noot nich sehn

un lacht un ritt en Witz!

Un buten vör de Redakschon

dar steiht in siene Staatslivree

de würdevulle Huusportier

un hett noch nix to doon.

Nu aver ‑ kiek! ‑ de Zettels! ‑ kiek!

Op eenmal drängt dat, grippt un röppt

un steiht un geiht un list un löppt …

Arbeit, du grotes Glück!

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Die Amsel (vertont durch den Komponisten Hermann Ruck, singt Georg Jelden, begleitet am Klavier von Bernhard Kistler (1979))

Und was für Unreim rings geschieht,

die Amsel singt ihr Abendlied.

Hoch auf dem First wie jedes Jahr

singt sie ihr Lied so voll und klar.

Urlaut Natur und umgelehrt,

wie schön mein Ahn sie einst gehört.

Und bleibt dabei nach gutem Brauch

für meine Enkel – denk ich –– auch.

Dass über Menschenleid und Zwist

das Eine sei, das ewig ist.

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Plünnhökersch (vertont und gespielt vom „Dragseth Duo“ (Kassette „Lichtjahre“, 1991) )

Gries de Kaar, un gries dat Wief,

mööd, so mööd tohopen.

Utdröögt dat ool stieve Lief,

ünner Plünn verkropen.

Mag nich mehr un kann nich mehr,

aver mutt sik placken.

Hunger sett vun achtern her

ehr de Fuust in’n Nacken.

Un so treckt se Straat üm Straat

mit ehr Kaar vull Sorgen.

Blots ehr Ring ‑ de lücht noch graad

as an’n Hochtietsmorgen.

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aus: Mank Muern (1912)

Ein Beispiel für die zahlreichen Chor-Lieder präsentiert „Die Birkenauer Kantorei“. Aus dem Zyklus „Andacht zum Tode“ hören Sie hier das Lied „Wie gering ist unser Leben“.

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