Min Popp
Claudius goes Pop:
Lieder als Pop-Songs mit Video

HH 28 266 (1928)
Wachsam am Gashebel harrt meine Hand.
Die Straße rollt ab, ein gleitendes Band.
Scheu in der Runde hebt sich das Land.
Ich trinke die Wälder, die Hügel im Schwung
wie einen tollen, berauschenden Trunk,
der kühn macht und blühn macht und ewig jung!
Unter der Kappe hin fächelt das Haar.
Irgendwo lächelt das Wörtchen: Gefahr.
Aber mein Motor singt hart und singt klar,
hart und klar das Lied der Zeit,
vorwärtsgerichtet das Auge weit
bin ich des Augenblickes bereit.
Meine Maschine und ich sind wir.
Dir ist, als atmete unter dir
der Menschengeist selber, nun Engel, nun Tier.
Zärtliches Schmiegen, Trotz, der sich bäumt.
Was Millionen Gehirne erträumt,
du besitzest es ungesäumt.
Rings in der Runde hebt sich das Land.
Die Straße rollt ab, ein gleitendes Band.
Wachsam am Hebel harrt meine Hand.
Ich trinke die Wälder, die Hügel im Schwung
wie einen tollen, berauschenden Trunk,
der kühn macht und blühn macht und ewig jung!

Kühe (1935)
Sie wiegen schwankend sich in schwerem Schreiten
über die flachen, grünen Gräserweiten.
Hornhaupt bei Hornhaupt hängt zur Erde tief,
als ob die Erde noch in ihnen schlief.
In ihren Augen glüht ein müdes Licht,
als wüßten sie noch um sich selber nicht.
Und wie die Hügel sind sie, wenn sie ruhn
und plumpen Leibes dumpfen Atem tun.

Die Weidenflöte III (1955)
Ich sang mit ihm. Allein mein Lied zerbrach,
zersplitterte mir schon im eignen Ohre
vor dem Getobe knatternder Motore,
eh’ noch mein Mund das Kaum-Erkannte sprach.
Und sieh: apokalyptisch stürzten nach
und mitten in das Ringen der Rumore
Posaunenstöße, siebenmal im Chore,
als ob der Jüngste Tag schon niederbrach.
Doch wieder traumhaft steht der Knabe da
am Eschenbaum und bläst die Weidenflöte
und löscht den Lärm und lockt die Morgenröte,
wie es am ersten Schöpfungstag geschah.
Und in das Horchen und das holde Schweigen
des Zornes Engel lächelnd niedersteigen.

Sternennacht (1949)
Auf der Schwelle ins All
steh ich und schau in die Sterne.
Aus der unendlichen Ferne
über mir grüßen sie mich.
Wuchtig der Wagen. Und dort
Freias gleißender Wocken!
Alles ein Leuchten und Locken,
unauslöschliche Saat!
Schon als Knabe einst so
stand ich und meinte, es möchte
greifen danach meine Rechte
wie nach den Bällen im Spiel:
Glutender Aldebaran!
Sirius, glühender, reiner!
Und du schimmernder feiner
Schleier des Siebengestirns!
Fern dem Lärmen der Welt,
all ihrer ächzenden Eile
stehe ich stumm und verweile,
wie es der Seele gefällt.
Wie es der Seele gefällt,
in sich selbst sich zu runden,
ort- und stundenentbunden
ewigen Sternen gesellt.

Auf eine Schnecke (1935)
Eine Schnecke kriecht entlang dem Blatt.
Langsam weidet sie sich kriechend satt.
Ihre Fühler tasten stumm voraus.
Treulich auf dem Rücken ruht ihr Haus.
Eine Silberspur bleibt hinterdrein – – – – – –
Möcht ich selber fast dies Schnecklein sein.

Zwei Äpfel (1940)
Zwei Äpfel liegen auf der Fensterbank,
zwei runde reife Äpfel, prall und voll.
Der ganze Sommer atmet noch darin.
Palette her und Pinsel, daß ich’s mal’,
dies kinderfrische Rot, smaragdne Grün
und wächsern drüberhin der matte Glanz!
Aus hoher Krone unseres Apfelbaums
von grünem Throne holt’ ich euch herab.
Verzeiht, daß ich euer Königtum zerbrach.
Zerbrach? – Doch nicht! Ich ehr’ euch königlich
und wiege euch bewundernd in der Hand
und zeig und preis euch höchlich jedem Gast
und laß euch prangen auf der Fensterbank.
Und doch ist es verlorenes Königtum.
Ich weiß es wohl, ihr Äpfel – ja, ich weiß.
